Wie Stiftungen Berichte konstruktiv nutzen können

Berichte braucht es, um Transparenz herzustellen und Rechenschaft abzulegen. Berichte können Stiftungen aber auch dabei helfen, Förderpartner, Aktivitäten und Themenfelder besser zu verstehen. Sie erlauben es, Wirkungen zu erfassen sowie erfolgreiche Praktiken zu dokumentieren und zu teilen. Zudem können Berichte dazu beitragen, Strategien und Annahmen zu validieren und Fehler zu erkennen, aus denen man für die Zukunft lernen kann.


In der Realität fragen Stiftungen allerdings häufig Informationen ab, die wenig relevant sind oder nicht verwendet werden. Im schlimmsten Fall werden mit viel Aufwand lange Berichte verfasst, die nicht gelesen oder nicht weiter genutzt werden. 31 Stunden investierten geförderte Organisationen, die 2019 im Schweizer „Grantee Review Report“ befragt wurden, im Durchschnitt in die Berichterstattung – pro Förderung! Wenn Projektträger von mehreren Stiftungen und Förderinstitutionen Geld erhalten, kann es sein, dass sie mehrere Wochen pro Jahr mit dem Berichtswesen verbringen. Ist das (immer) sinnvoll?


In diesem Kapitel finden Stiftungen praktische Tipps, wie sie ihr Berichtswesen zielgerichtet und für alle Seiten effizient organisieren können. Die Leitfragen lauten dabei: Was ist wichtig, warum und für wen? Geht es um Kontrolle oder ist das Ziel ein gemeinsames Lernen? Wie kann berichtetes Wissen geteilt werden? Braucht es immer einen „maßgeschneiderten“ Bericht – oder können Stiftungen auf Ressourcen zurückgreifen, die ohnehin vorliegen? Ergänzt werden die Ausführungen mit konkreten Beispielen aus der Praxis – vom rein mündlichen Berichtswesen bis hin zu Stiftungs-Konsortien –, so dass Theorie und Praxis direkt ineinandergreifen.

  • Was sollten Stiftungen beachten, wenn sie Berichtspflichten definieren?

    Berichtserwartungen prüfen 

    Im Sinne des „weniger ist mehr” können Stiftungen mit dem folgenden Dreischritt prüfen, wie viel Berichtswesen sie brauchen und wollen:

    1. Brauchen wir schriftliche Berichte? Wenn ja, wozu? Wer wird den Bericht lesen und mit den Ergebnissen arbeiten? Gibt es Förderhöhen, unterhalb derer wir auf Berichte verzichten können?
    2. Wenn wir Berichte brauchen: Können wir Formate und Berichte nutzen, die die Partner ohnehin für andere Kontexte erstellen (z. B. Jahresberichte, Jahresrechnungen, Social Reporting Standard, Berichte an andere Geldgeber)?
    3. Können mündliche Gespräche schriftliche Berichte zumindest teilweise ersetzen? Eine Stunde Gespräch wird oft mehr Erkenntnis liefern als eine Stunde, die in die Abfassung und Lektüre von Berichten investiert wird.

    Grundsätzlich ist es sehr hilfreich, sich im Vorhinein zu fragen, wofür man als Stiftung Berichte benötigt: 

    • Geht es nur um den Nachweis, dass das Projekt vereinbarungsgemäß durchgeführt und die Mittel verausgabt wurden? Dann reicht es eigentlich, eine entsprechende Bestätigung, bzw. eine kurze Dokumentation mit einer Abrechnung der Mittel zu verlangen. 
    • Geht es der Stiftung darum, aus den Projekten zu lernen, um ggfls umzusteuern oder zukünftige Förderentscheidungen zu verbessern, dann ist es naheliegend, umfassendere Berichte und Wirkungsindikatoren abzufragen; und zwar idealerweise in Formaten, die die geförderte Organisation auch für andere Geber verwenden kann. 

    Folgende Tipps können helfen, Berichte zeitsparend und informativ für beide Seiten zu gestalten. Im Idealfall gestalten Stiftung und Förderpartner Struktur, Inhalt und Häufigkeit der Berichte gemeinsam.


    Nur relevante Informationen abfragen

    • Sinnvolle Indikatoren: Stiftungen sollten sich stets daran orientieren, welche Daten Partner erheben (können), statt neue Zahlen zu fordern, die für die Organisation keine Relevanz haben. Die Festlegung der Indikatoren, über die berichtet wird, sollte gemeinsam erfolgen, damit es für beide Parteien sinnhaft ist.
    • Wenige aussagekräftige Zahlen: Berichte sollten nicht möglichst viele, sondern nur einige wenige Kennzahlen aufführen, die dafür aber aussagekräftig und für das gemeinsame Ziel relevant sind.
    • Antrag und Berichte zusammendenken: Informationen, die sich nicht ändern, müssen nicht wiederholt abgefragt werden.
    • Formatvorlagen bzw. Berichtsformulare nur, wenn sie Mehrarbeit reduzieren: Fixe Vorgaben bergen die Gefahr, Partner erheblich zu belasten, wenn diese für verschiedene Geldgeber*innen die immer gleichen Informationen in unterschiedlichen Gefässen präsentieren müssen. Vorlagen helfen dann, wenn wenige, konkrete Fragen gestellt werden. Zudem sind Vorlagen bzw. Formulare oft besonders für kleinere Organisationen hilfreich, die (noch) keine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Stiftungen haben. 
    • Wort- bzw. Seitenzahlbegrenzungen können helfen, Berichte effektiv zu gestalten.
    • Wie auch immer Sie die Berichtspflichten gestalten: Bitte kommunizieren Sie Ihre Erwartungen an Umfang, Inhalt und Format der Berichte klar und frühzeitig, so dass die Förderpartner nicht gezwungen sind, zusätzliche Zeit in aufwendige Nacharbeiten zu investieren. 

    Nur zu relevanten Zeitpunkten berichten

    • Sinnvolle Intervalle: Der Berichtsrhythmus wird danach gewählt, wann sich Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit sichtbar und relevant ändern.
    • Zeitpunkte und Formate synchronisieren: Für Projekte, die von unterschiedlichen Stiftungen  gefördert werden, ist es eine große Erleichterung, wenn sie nur einmal im Jahr einen Bericht erstellen können, anstatt immer wieder den aktuellen Stand zusammenfassen zu müssen. Idealerweise sollten sich alle Förderinstitutionen, die an der Finanzierung beteiligt sind, auf einen einheitlichen Berichtszeitraum und ein einheitliches Format einigen.

    Innovative Formate nutzen

    • Berichte müssen nicht immer schriftlich erfolgen. Oftmals ist ein Gespräch nicht nur weniger arbeitsaufwändig, sondern auch viel besser dazu geeignet, der Stiftung einen Eindruck vom Stand der Aktivitäten zu vermitteln. Beide Formate lassen sich auch gut miteinander kombinieren, zum Beispiel indem Zwischenberichte mündlich erfolgen, während der Jahresbericht, an dem auch eine Zahlung hängt, schriftlich vorliegen muss.  
    • Weitere Berichtsformate, die sich auch gut für die Öffentlichkeitsarbeit auf social media nutzen lassen, sind Videos oder ein Insta-Reel. 
    • Zunehmend verbreitet ist auch das Instrument eines „Förder-Konsortiums“: Hier holen gemeinnützige Organisationen alle Stiftungen, mit denen sie zusammenarbeiten, an einen (meist virtuellen) Tisch, um über aktuelle Entwicklungen, Bedürfnisse und Herausforderungen zu sprechen. Für die beteiligten Stiftungen bietet das die Möglichkeit, exklusive Einblicke in die Organisation zu erhalten und von den Impulsen und Perspektiven anderer Stiftungen zu profitieren. Gleichzeitig reduziert die geförderte Organisation ihren Berichtsaufwand erheblich und kann die Stiftungen ganz anders einbinden – ein Gewinn für alle Seiten. 

    An die weitere Nutzung denken

    • Wofür benötigt die Stiftung die Informationen? Ergeben sich daraus Fragen oder Formatvorgaben, die den Partnern beim Berichten helfen?
    • Falls die Stiftung bestimmte Informationen oder O-Töne aus den Projektberichten für ihren eigenen Jahresbericht verwenden will, muss das mit den Förderpartnern abgestimmt werden. 
    • Wichtige Erkenntnisse können intern geteilt werden, z. B. im Projektmanagement-Tool der Stiftung, so dass alle (auch die, die den Bericht nicht gelesen haben) auf einen Blick den Status quo und die aktuellen Herausforderungen kennen. 

    Fehlerkultur schaffen 

    • Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Wenn ein Förderpartner Probleme in einem Projekt vor der Stiftung verbergen will, dann wird ihm das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gelingen – zumindest so lange, bis es zu spät ist. Die beste Risikokontrolle besteht daher nicht in einer rigorosen Prüfung, sondern in einem guten und vertrauensvollen Verhältnis. 
    • Nur wenn Förderpartner sicher sein können, dass die Förderung im Falle von Problemen nicht beendet wird, kann eine Fehlerkultur entstehen, in der Probleme und Herausforderungen offen angesprochen werden. Für die Stiftung ist das überaus wichtig; und zwar weit über das betreffende Projekt hinaus. Denn die Lernerfahrung aus dem einen Projekt wird sich sicherlich bald für die Beurteilung eines anderen Projekts als hilfreich erweisen. 
    • Bei den vertrauensbildenden Maßnahmen liegt der Ball ganz klar bei den Stiftungen: Sie müssen signalisieren, dass sie ein ehrliches Interesse an dem Projekt haben und Fehler als gemeinsame Herausforderung sehen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, zugesagte Förder-Tranchen auch dann pünktlich auszubezahlen, wenn der Bericht Probleme offenlegt (solange die Durchführung insgesamt nicht infrage steht). 

    Förderpartnerschaft in zwei Richtungen denken

    • Kein Bericht ohne Rückmeldung! Jeder Bericht sollte eine Antwort erhalten, die mehr als eine Eingangsbestätigung ist, sei es mit einer E-Mail oder einem kurzen Gespräch. Nachfragen, Lob und Verabredungen zeigen Wertschätzung und Lerninteresse. So können Berichte die Entwicklung der Zusammenarbeit prägen.
    • Nutzen Sie die Gelegenheit, von Ihren Förderpartnern in den Berichten Feedback zur Zusammenarbeit mit der Stiftung einzuholen, um die  Bedürfnisse besser zu verstehen und die eigenen Prozesse zu verbessern. 

  • Beispiele aus der Stiftungspraxis

    Sie kennen noch weitere Beispiele dafür, wie Stiftungen Berichte konstruktiv nutzen? Dann lassen Sie es uns gerne wissen, damit wir die Sammlung ergänzen können: hallo@weniger-ist-mehr.org.


    Abstimmung von Berichtspflichten 

    • Die Rudolf Augstein Stiftung, die Stiftung Mercator Schweiz und die Vector Stiftung stimmen ihr Reporting mit anderen Geldgeber*innen der geförderten Organisation ab, so dass es nur einen Bericht für alle beteiligten Förderstiftungen geben muss. Den Abstimmungsprozess übernimmt eine der Förderstiftungen auf freiwilliger Basis. 
    • Die Schöpflin Stiftung und die Rudolf Augstein Stiftung nutzen Stiftungs-Konsortien, um allen (größeren) Geldgebenden einen Einblick in die Aktivitäten der geförderten Institution zu geben. Die Struktur ist flexibel, aber nach Möglichkeit ersetzen die regelmäßigen Gespräche in der Runde schriftliche Berichte, die für die einzelnen Stiftungen erstellt werden müssten. Bei den Treffen wird zudem Feedback gegeben und gemeinsam überlegt, welche Herausforderungen sich aktuell stellen und wie die Stiftungen helfen können.

    Niedrigschwellige und interaktive Formate 

    • Die Vector Stiftung gestaltet die Begleitung ihrer Förderpartner bedarfsgerecht. Für kleinere Spenden bestehen keine formalen Berichtspflichten. Förderpartner können jedoch jederzeit freiwillig Berichte, Fotos oder kurze Updates einreichen, über die sich die Stiftung sehr freut. Bei größeren Projekten findet in der Regel einmal jährlich ein Austauschgespräch online oder vor Ort statt. Zur Vorbereitung stellt die Stiftung eine Präsentationsvorlage bereit, die eine einheitliche Berichterstattung ermöglicht und dem Förderpartner eine klare Vorgabe gibt. Die Präsentation dient als Zwischenbericht und kann auch den Abschlussbericht ersetzen. Bei Kooperationsprojekten akzeptiert die Vector Stiftung die Unterlagen anderer Förderpartner und stimmt Austauschtermine gemeinsam ab, um den Aufwand für die Geförderten möglichst gering zu halten.
    • Bei längerfristigen und größeren Förderungen kombiniert die Deutsche Bahn Stiftung verschiedene Methoden. Ein- bis zweimal im Jahr reichen die Projekte zu einem vorab vereinbarten Zeitpunkt einen Bericht zu den Aktivitäten und Finanzen ein. Hierfür gibt die Stiftung ein standardisiertes Formular vor, das kurze Fragen beinhaltet und einen Status quo abfragt. Zwischenberichte erfolgen mündlich in regelmäßigen Update-Meetings (Meilensteingesprächen), die bilateral oder auch im Rahmen von Förderkonsortien gemeinsam mit anderen Gebern stattfinden. Die Meetings werden vom Partner individuell gestaltet und die Stiftung bringt ihre Ideen und Fragen ein.
    • Die Stiftung Mercator Schweiz arbeitet daran, den Aufwand der Berichterstattung deutlich zu reduzieren. Mit dem Fokus auf die wirklichen wesentlichen Aspekte einer Förderung, dem Akzeptieren von stichwortartigen Beschreibungen und der Haltung, dass eine Viertelstunde am Telefon oft eine Seite schriftlichen Bericht ersetzt, haltet sie den Aufwand für alle Beteiligten gering, ohne auf die wichtigsten Erkenntnisse aus geförderten Projekten verzichten zu müssen.
    • Die Klaus Tschira Stiftung versteht Monitoring, Evaluation und Learning (MEL) als Instrument für gemeinsames Lernen – nicht als Kontrollmechanismus. Deshalb wurden klassische schriftliche Zwischenberichte in vielen Förderlinien durch regelmäßige Online-MEL-Gespräche ersetzt. Diese Gespräche schaffen Raum für eine kontinuierliche Reflexion der Projektentwicklung. Der offene Austausch über Erfolge und Herausforderungen ermöglicht es, gemeinsame Lösungen für Probleme zu finden, und die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu stärken. Bereits bei der Konzeption einer Förderlinie werden gemeinsam mit den Projektpartnern Wirkungslogiken (Theory of Change) entwickelt. Auf dieser Grundlage werden nachvollziehbare Outcomes definiert und im Rahmen des MEL-Prozesses kontinuierlich betrachtet. Die Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten fließen wiederum in die Weiterentwicklung der Förderlinien und der Förderpraxis ein.
    • Für Berichte bzw. Mittelverwendungsnachweise, die die Maecenta Stiftung für weltweite Zuwendungen im Rahmen ihres Transnational Giving-Programms  anfordert, gibt es einfache Vorlagen. Die Empfängerorganisationen müssen lediglich kurz über die ordnungsgemäße und zweckgebundene Verwendung innerhalb von 24 Monaten nach Erhalt der Mittel berichten.
    • Die Karg Stiftung verzichtet in ihrem Forschungsförderprogramm „William Stern Programm“ auf inhaltliche Zwischenberichte, sofern Projektfortschritte und Ergebnisse im Rahmen des Jahresmeetings aller aktuell geförderten Projekte präsentiert werden. Wir verbinden also einen Sachstandsbericht mit Erfahrungsaustausch und Vernetzung aller im Programm Geförderten. Das spart Zeit, Arbeit und bringt einen Zusatznutzen für die geförderten Wissenschaftler:innen.
    • Als Better Way Foundation(BWF) sehen wir Berichterstattung als Raum für gemeinsame Reflexion: wir wollen verstehen, was unsere Förderungen ermöglichen, was unsere Partner lernen und wie wir sie bestmöglich unterstützen können. Wir laden unsere Partner ein, zunächst ein kurzes Formular mit fünf offenen Fragen auszufüllen, unter anderem zu ihren Träumen für die Zukunft. Ihre Antworten bilden die Grundlage für zwei Gespräche pro Jahr, in denen wir Entwicklungen, Herausforderungen, Erkenntnisse und Zukunftswünsche gemeinsam reflektieren. So gestalten wir die Berichterstattung verhältnismäßig und erhalten ein umfassenderes Verständnis für die Arbeit unserer Partnerorganisationen. 

    Berichtsplichten mit Augenmaß

    • Die Crespo Foundation erwartet bei Projektförderungen eine knappe Darstellung der Ergebnisse und einen Überblick über die Mittelverwendung. Soweit Berichte für andere Förderer erstellt werden, werden diese auch von der Crespo Foundation akzeptiert. Bei ungebundenen Förderungen erwartet die Stiftung eine Rechenschaftslegung über Jahresabschlüsse, Jahresberichte o. ä., die die geförderten Organisationen ohnehin erstellen. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Treffen (online oder in Präsenz), in denen über Fortschritte und Herausforderungen gesprochen wird und die von der Stiftung dokumentiert werden.
    • Die Renate und Wolfgang Hars Stiftung "Anser anser" akzeptiert allgemeine Berichtsformate wie Jahresberichte der geförderten Organisationen und verzichtet wo immer möglich auf zusätzliche Projekt- und Rechenschaftsberichte. Sie wählt dazu bewusst auf Transparenz verpflichtete Organisationen aus.
    • Die Homann Stiftung erwartet von ihren Förderpartnern einem rechnerischen Verwendungsnachweis zu den realen Kosten und der Finanzierung (gerne auch als Gesamtnachweis, sollten weitere Fördermittelgeber dabei sein). Für die qualitative Auswertung wird kein fester Rahmen vorgegeben. Es kann beispielsweise ein schriftlicher Bericht für die Homann-Stiftung sein, ein gemeinsamer Bericht für mehrere Förderer, die Beteiligung an einem Förderkonsortium oder auch ein ausführliches Gespräch zum Projektverlauf. Wichtig ist für die Stiftung ein echter Austausch, der auch einen Blick auf kritische Punkte lenkt. Was hat nicht gut funktioniert und sollte verändert werden? Ist vielleicht auch etwas richtig schiefgelaufen? Welche Perspektiven ergeben sich für das Thema? Die Auszahlung der Tranchen bei mehrjährigen Förderungen erfolgt nach einem Zwischenbericht, der auch mündlich stattfinden kann. 
    • PHINEO kombiniert für ein lernorientiertes reporting jährliche Kurzberichte mit regelmäßigen mündlichen Check-ins. Statt umfangreicher Nachweise fokussieren wir auf zentrale Entwicklungen, Herausforderungen und Lernprozesse. Bestehende Inhalte werden fortgeschrieben statt neu erstellt. So reduzieren wir Aufwand und stärken zugleich den kontinuierlichen Austausch auf Augenhöhe.

    Innovative Berichtsformate 

    • Für die Berichterstattung des Jugendstil*-Ideenfonds der Stiftung Bürger für Bürger ist ein Instagram-Video oder ein Blog-Beitrag der geförderten Initiative ausreichend, um nachvollziehbar darzustellen, wie die Idee umgesetzt und die Förderung verwendet wurde. Zudem gibt es Vernetzungsveranstaltungen für die Geförderten, um Erfahrungen auszutauschen und über ihre Idee zu berichten.
    • Die Deutsche Bahn Stiftung verzichtet bei Projekten, die sie im Rahmen der jährlichen Ausschreibungen auswählt, gänzlich auf Berichte. Stattdessen bittet sie die geförderten Organisationen um eine proaktive Kommunikation, deren Form und Inhalt die Partner selbst bestimmen. Auf diese Weise bekommt die Stiftung Fotos, Zitate und O-Töne der Teilnehmenden, kurze Darstellungen der Angebote und persönliche Eindrücke, die sie für ihre interne und externe Kommunikation nutzt, zum Beispiel für den Jahresbericht oder die Sozialen Medien. 
    • Die Schering Stiftung ist gerade dabei, von Berichtspflichten auf kurze prägnante (Online)-Fragebögen umzustellen. Damit kann die Stiftung passgenau relevante Kennzahlen für die Evaluation abfragen und auch gleich digital erfassen. Bei Bedarf erfolgen kurze Texte zu Erfahrungen. Das spart Aufwand auf allen Seiten, denn die Förderpartner müssen nicht mehr lange narrative Berichte verfassen, aus denen die Stiftung die relevanten Parameter mühsam herausfiltern muss. 
    • Im Tanzförderprogrammm Next Steps verzichtet die Crespo Foundation auf zahlenmäßige Zwischennachweise und detaillierte Verwendungsnachweise. Stattdessen dokumentieren die geförderten Künstler:innen ihre Ziele, Arbeitsprozesse und Erkenntnisse in einem digitalen Tool und entscheiden selbst, in welcher Form sie diese festhalten. Das reduziert bürokratischen Aufwand spürbar und schafft mehr Zeit für die künstlerische Arbeit, ohne auf Transparenz und gemeinsames Lernen zu verzichten.
    • Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, die Azurit Foundation und die Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit nutzen ausschließlich mündliche Berichte (Oral Reporting). In Gesprächen wird ein gemeinsames Verständnis für das Projekt entwickelt und Vertrauen aufgebaut. Allen Beteiligten wird unnötiger Aufwand erspart und Missverständnisse werden vermieden. Die drei Stiftungen haben gemeinsam einen Leitfaden sowie einen Fragebogen für Gespräche mit Förderpartnern entwickelt: www.oralreporting.info. 
    • Affirmative arbeitet ohne schriftliche Reportings. Stattdessen sprechen wir mindestens vier Mal im Jahr mit unseren Förderpartner*innen über Ziele, Herausforderungen, Potenziale, Lernerfahrungen und Erfolge. In einigen Fällen erfolgt ein Teil der Gespräche auch gemeinsam mit anderen Förderern. Ein offenes Gespräch sagt uns viel mehr über bestehende Herausforderungen, als es ein Bericht könnte. Die Gespräche dokumentieren wir intern, so dass Entwicklungen über einen Zeitraum hinweg nachvollziehbar sind. Von unseren Förderpartner*innen erwarten wir Transparenz und rechtzeitige Thematisierung von auftretenden Problemen.
    • Im Förderangebot „Soziale Innovationen - Modul Verstetigung“ hat die Stiftung der Deutschen Fernsehlotterie ein schriftliches reporing durch Meilensteingespräche ersetzt. Die Vertreter:innen von Stiftung und Förderpartnern verabreden sich regelmäßig, um über den aktuellen Projektstand, über Erfolge und Herausforderungen sowie über die nächsten Schritte zu sprechen. 
    • Auch öffentliche Mittelgeber machen von der Möglichkeit von mündlichen Berichten Gebrauch. Bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt(DSEE) können als Alternative zur schriftlichen Einreichung im Förderprogramm action! Verwendungsnachweise per Videogespräch mündlich eingereicht werden. Die Mitarbeitenden der DSEE notieren den Verwendungsnachweis und lassen ihn von den Zuwendungsempfänger:innen digital gegenzeichnen. So kann die Angst vor Formularen genommen werden und der Projektabschluss für Menschen ohne Fördermittel-Erfahrungen vereinfacht werden.

    Nutzung weiterdenken 

    • Unter dem Motto „Public Understandig of Science“ offeriert die Gebert Rüf Stiftung den geförderten Forscher*innen eine Weiterbildung, um ihr Projekt filmisch in Szene zu setzen und einen Impact Clip zu produzieren. Der Clip wird mit dem Schlussbericht eingereicht und von dem Projektteam und der Stiftung zur Skalierung des Projekts auf Social Media genutzt.

  • Rechtliche Mindestanforderungen

    Rechtliche Mindestanforderungen / Deutschland

    Gibt eine gemeinnützige Stiftung einer anderen gemeinnützigen Organisation eine Förderung, reichen im Minimum der Nachweis der Gemeinnützigkeit der anderen Einrichtung (z. B. durch den Freistellungsbescheid) und eine Bestätigung, dass das Geld eingegangen ist (z. B. Quittung, E-Mail). Auch formal gibt es keine rechtlichen Anforderungen an ein Berichtswesen. Stiftungen können daher grundsätzlich auch ganz auf Berichte verzichten. Ausnahmen von dieser Regel bestehen eventuell, wenn (öffentliche) Gelder weitergeleitet werden. 


    Enthält die Satzung der Stiftung genauere Vorgaben zur Zweckverwirklichung, sollte aus einem Bericht hervorgehen, dass diese erfüllt wurden. Das kann aber auch dadurch geschehen, dass bei der Zusage der Förderung auf den passenden Antrag Bezug genommen und von der Empfängerorganisation bestätigt wird, dass die Mittel entsprechend verwendet wurden. Diese Information kann sich auch aus einem Bericht ergeben, der nicht speziell für die Stiftung angefertigt wurde (z. B. Jahresbericht, Wirkungsbericht etc.).


    Rechtliche Mindestanforderungen / Schweiz 

    Es gibt keine gesetzlichen Mindestanforderungen an ein Berichtswesen. Die Stiftungsurkunde oder die Stiftungsreglemente können Vorgaben über die Rechenschaftsablegung von Projektpartnern aufstellen. Entsprechend können sich allfällige Anforderungen an ein Berichtswesen von Stiftung zu Stiftung unterscheiden.

    Grundsätzlich haben Stiftungen bzw. ihre Organe die geförderten Projekte bzw. Organisationen zu begleiten, zu überwachen und auf ihre Wirkung zu prüfen, wozu sich zum Beispiel Berichte anbieten.


    In Hinsicht auf die Berichtspflichten stellt der Swiss Foundation Code(SFC) fest, dass Berichte Bestandteil einer regelmässigen Qualitätskontrolle sind: 

    • „Diese [Qualitätskontrolle] soll in einem angemessenen Verhältnis zu den erteilten Beiträgen stehen.“ Auch „der Aufwand für die Wirkungsmessung muss sich im Verhältnis zur Fördersumme rechtfertigen lassen.“ (SFC, Empfehlung 19 & 20)
    • Im Sinne der Transparenz und Planbarkeit sind „die Anforderungen der Qualitätskontrolle bereits zum Zeitpunkt der ersten Beitragszusprechung im Fördervertrag festzulegen.“ (SFC, Empfehlung 19)
    • Neben der Qualitätskontrolle dienen die Informationen aus Förderprojekten auch dem internen Lernen: „Aus der Projektbegleitung zieht die Stiftung Rückschlüsse auf ihre Förderstrategie, die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel und die Förderkriterien.“ (SFC, Empfehlung 19)

    NB: Der „Swiss Foundation Code“ formuliert Good-Governance-Richtlinien für Stiftungen. Er spricht Empfehlungen, aber keine zwingenden Bestimmungen aus.


    Rechtliche Mindestanforderungen / Liechtenstein

    Für gemeinnützige Stiftungen in Liechtenstein gilt Ähnliches: Ohne besondere Vorgaben in den Stiftungsdokumenten ist die Stiftung in der Gestaltung ihrer Berichtsanforderungen frei und kann auch entscheiden, ganz auf Berichte zu verzichten, sofern die zweckentsprechende Mittelverwendung der Revisionsstelle auf andere Weise nachgewiesen werden kann.


  • Muster und Vorlagen

    Ein schönes Beispiel für einen Quartalsbericht, der eher auf learings als auf Meilensteine abstellt: 

  • Webtalks #ImpulseStiften zum Thema Berichte

    Sie wollen noch mehr Input zu der Frage, wie man Berichte von geförderten Projekten konstruktiver gestalten kann? Dann hören Sie gerne rein in den Call „Berichtssaison: Vom Verwaltungsakt zur Learning Journey“ im Webtalk #ImpulseStiften vom 22.3.2022.


    Auch in dem call „Das kleine 1x1 der Stiftungsmythen“ am 24.3.2026 ging es immer wieder um die Frage, welche Berichte Stiftungen wirklich fordern müssen und welche sie verlangen können. 


  • Literatur

    Berichtswesen 

    Anregungen und Hinweise zum Thema Berichte bieten die folgenden zwei Publikationen


    oral reporting 

    • Das "Arbeitspapier „oral reporting“ gibt viele praktische Tipps und Hinweise zur Umsetzung mündlicher Berichtsformate, inklusive eines Gesprächsleitfadens, den die beteiligten Stiftungen in der Praxis entwickelt haben.

    Zuwendungsbestätigungen